Teilen
Merken
Drucken
GPX
KML
Tour hierher planen
Einbetten
Fitness
Themenweg

Weg der Demokratie

Themenweg · Region Köln-Bonn
Verantwortlich für diesen Inhalt
General-Anzeiger Bonn Verifizierter Partner 
  • Hinweistafeln kennzeichnen den "Weg der Demokratie".
    / Hinweistafeln kennzeichnen den "Weg der Demokratie".
    Foto: Dirk Jacoby, H-D. Weber
Karte / Weg der Demokratie
0 150 300 m km 0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4,5 km Länge

Der "Weg der Demokratie" besteht aus beschilderten Stationen an zeithistorischen Orten im ehemaligen Regierungsviertel in Bonn.
leicht
4,5 km
1:19 h
7 hm
10 hm
Fremdenführer ist für manchen ein Traumberuf. Johannes Rau zum Beispiel sagte einmal, wenn er nicht Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundespräsident geworden wäre, hätte er gern Ortsunkundige durch seine Heimat geführt. Warum sollte ein ehemaliger Bonner Chefredakteur nicht ähnliche Gefühle und Gedanken haben? Willkommen also bei mir als Fremdenführer, meine Damen und Herren.

Frage: Kann man heute überhaupt noch etwas zwischen neuen Bauten und dem Verfall des Alten im Bundesviertel von Bonn sehen? Antwort: Doch, man kann etwas von seinem Ortsgeist, dem genius loci, finden und erleben. Beginnen wir mit dem ausgeschilderten „Weg der Demokratie“.

Aber wir gehen ihn nicht nur mit Hilfe der Tafeln des Hauses der Geschichte. Denn es gibt viele solche Wege, auch heute. Trotz des Umzugs nach Berlin. Trotz der historisch unsensiblen Veränderungen des Bundesviertels zugunsten der UN im Langen Eugen und des Kongresszentrums am Bundeshaus. Trotz des Abrisses des Denkmals der Villa Dahm. Oder trotz des Schleifens des WDR/ARD-Studios, wo Friedrich Nowottny seinen berühmten „Bericht aus Bonn“ machte.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Der Fremdenführer ist nicht gegen Neues im Bundesviertel, aber man hätte es mit dem Alten verbinden können, wie in anderen Städten und Berlin geschehen.

Aber man findet Bundes-Bonn noch. Auch trotz des Beinahe-Kahlschlags an der Heussallee. Nun wird NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers nicht nur jene Kreuzung vermissen, an der er bis 1999, kurz vor dem 1991 beschlossenen Umzug des Parlaments nach Berlin, unkomplizierte Treffen auf dem Weg zu Bundestag und Bundesrat hatte.

Leider verschwinden sogar Wegweiser zum „Bundeshaus“ – so wie Bundeshaus und Bund bald im Lexikon der aussterbenden Wörter stehen werden. Bonn trägt auf seine Weise dazu bei, zum Schaden für unser Geschichtsbewusstsein.

Dennoch, wer nur ein Wochenende in Bonn oder im Siebengebirge verbringt, kann authentische Orte der großen Geschichte einer von 1949 bis 1999 in Bonn bescheidener als in Berlin und doch mit großer Politik existierenden Bundesrepublik erleben, erwandern oder im doppelten Sinn des Wortes erfahren. Etwa so:
  • Einstimmung im Haus der Geschichte mit gegenständlichem Anschauungsunterricht bei freiem Eintritt. Vom Salonwagen der einstigen Reichsbahn für Bundeskanzler und Wahlkämpfer wie Konrad Adenauer und Willy Brandt bis zu den grünen Stühlen des alten Abgeordneten-Plenums.


Von denen hat Ihr Fremdenführer die Nr. 5 gekauft. Mit Spuren des Knippelns mit den Fingernägeln im Bezug, weil Willy Brandt sich knippelnd wegdrehte, da er seinen Nachbarn Herbert Wehner nicht leiden konnte – und umgekehrt. Trotz und wegen der Legenden um die SPD-Troika mit ihnen beiden und Helmut Schmidt.

  • Nächste Etappe zum Museum Koenig, wo das Grundgesetz entgegen einer hartnäckigen Legende eben nicht „zwischen ausgestopften Tieren“ entstand. Aber dort war immerhin 1948 die feierliche Eröffnung des Parlamentarischen Rates. Danach wurde das Werk schräg gegenüber am Rhein, in der damaligen Pädagogischen Akademie, dem späteren Bundesrat, vollendet. Davon später mehr.

 

  • Blick durch den Zaun auf die Villa Hammerschmidt. Noch heute der Bonner Sitz des Bundespräsidenten, wie es schon Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker verfügt hatte. Horst Köhler ist selten, aber gern hier. Zum Beispiel, als der frühere hiesige und von der Bonner Katholisch-Theologischen Fakultät einst gar nicht so verehrte Professor Joseph Ratzinger als Papst Benedikt zu Besuch war.


Da hüpfte am Anfang nur der Blindenhund von Köhlers Tochter unbefangen herum, bis endlich ein einfacher Mann im ehrfürchtig schweigenden Spalier rief: „Heiliger Vater, schönen Gruß aus Kessenisch!“ Antwort: „Danke, das kenne ich gut.“

  • Zusammen mit dem Palais Schaumburg der Bundeskanzler daneben und der leider geopferten Villa Dahm, dem Club der Abgeordneten an der Dahlmannstraße 7, verkörperten diese Villen einen Dreiklang von Staatsoberhaupt, Exekutive und Legislative in Bonn.


Wenigstens dieses unterdessen abmontierte Schild des „Weges der Demokratie“ sollte wieder aufgestellt werden und an die Villa und das Fernsehstudio und an alle anderen verschwundenen Pressehäuser erinnern, wo einst legendäre Korrespondenten über die Zeitgeschichte berichteten und sie gelegentlich selbst machten.

Kleiner Umweg zum Tulpenfeld. Dort hat die Bundespressekonferenz e. V. an ihrem vormaligen Hauptsitz eine Außenstelle. Deren Sekretärin Roswitha Pörtner kennt Namen und Adressen aus der Früh- und Mittelschicht des Bonner Parlamentsjournalismus. Zum Glück gibt es sie noch. Man müsste sie öfter fragen.

Bonn war auch zu Zeiten der Bundeshauptstadt nie eine Medienmetropole, aber es war die Hauptstadt der Selbstorganisation des Journalismus. Der Deutsche Presserat ist bis heute hier geblieben.

Vom Tulpenfeld um die Ecke geht es vorbei am eingegangenen Presseclub zum Neubau der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“, mit Blick auf den Schürmann-Bau der Deutschen Welle. Nach dem Berlin-Umzug ist ein neues Medienviertel entstanden. In der Nähe des WCC-Neubaus steht das Eckhaus des „Spiegel“ noch.

Dort arbeitet heute der frühere Bundeshaus-Friseur Münch. Daneben die vormalige Dahlmannstraße 24 mit dem einstigen Korrespondentenbüro der „Frankfurter Allgemeinen“. Bei beiden gingen Regierungssprecher und Politiker jeder Couleur ein und aus.

Heute kann man beim Friseur immerhin noch ohne Verabredung Mitgestalter der Geschichte der Bundesrepublik treffen. Zum Beispiel frech und munter wie eh und je Horst Ehmke und Norbert Blüm, distinguiert und zurückhaltender Hans Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff.

Von hier ist es nicht weit bis zum Zaun des einst von Horst Ehmke verantworteten Kanzleramts, das nach dem Urteil von Helmut Schmidt „eher wie der Sitz einer rheinischen Sparkasse anmutet“. Blick auf die große erotische Henry-Moore-Skulptur. Sie durfte in Bonn bleiben.

  • Danach weiter zum Bundeshaus an der Görresstraße, wo im Flügel des Bundesrates heute das „Informationszentrum Föderalismus“ untergebracht ist und der Bundesrat noch immer zumindest mit seinem Umwelt-Ausschuss tagt. In dessen Plenarsaal, der damaligen Aula der Pädagogischen Akademie, verkündete Konrad Adenauer am 23. Mai 1949 das Grundgesetz, hier ist der Geburtsort der Bundesrepublik.

 

  • Hinüber in den Bundestag, den zu viele schon als „WCCB“ bezeichnen, während die Berliner überhaupt nicht daran denken, ihren Reichstag anders als Reichstag zu nennen. Besuch sowohl im großen Plenarsaal als auch im „Ersatz-Plenarsaal“ Wasserwerk, in dem immerhin die deutsche Einheit 1989/90 parlamentarisch vollzogen wurde. Am Abend des Berliner Mauerfalls konnten hier manche die Tränen nicht unterdrücken, als die Abgeordneten aufstanden und „Einigkeit und Recht und Freiheit“ sangen.

 

  • Und nun führt mein Weg der Demokratie über den Rhein ins Siebengebirge. Zum Petersberg, nach Rhöndorf und Unkel. Wer versteht, was allein diese drei Orte geschichtlich bedeuten, der kann über die Häme von Joachim Fest nur lächeln, der im Abstimmungs-Streit Bonn-Berlin 1990 in der FAZ geschrieben hatte, Bonn liege „nicht zufällig hinter den sieben Bergen“.


Zum Glück für alle Deutschen und für Berlin im Besonderen hatte es Bonn 1949 und in den Folgejahren mit dem rechtsrheinischen Dreiklang des Siebengebirges zu tun: 1. Petersberg, 2. Rhöndorf, 3. Unkel. Sie stehen für die Auseinandersetzung und dann das Bündnis mit den drei westlichen Alliierten und den Weg der Bundesrepublik in die Souveränität innerhalb Nato und Europäischer Gemeinschaft, eine für immer mit dem Petersberg verbundene Politik.

Rhöndorf steht für Leben und Sterben Konrad Adenauers und damit für die Westbindung und Unkel für den letzten Abschnitt im Leben von Willy Brandt, der mit der Ostpolitik für viele zuerst im Gegensatz zu Adenauer zu stehen schien. Diese von den beiden verkörperten anfänglichen Antithesen der Staatsraison der Bundesrepublik erwiesen sich als die Brennpunkte derselben Ellipse.

Den Bundeskanzlern Helmut Schmidt und Helmut Kohl gelang die Synthese zwischen beiden, was eine Grundvoraussetzung für die deutsche und europäische Einheit war. Eine List dieser geglückten deutschen Geschichte in Europa hat es gefügt, dass der Fremde an einem Wochenende – wenn er Lust hat, sogar zu Fuß – Adenauer und Brandt in Rhöndorf und Unkel „besuchen“ kann.

Aber der Reihe nach: Der Petersberg ist im Besitz des Bundes, wurde aber als sein Gästehaus trotz der Afghanistan-Konferenz zu wenig genutzt. Nun ist es wieder vor allem das Grand-Hotel, was es einst auch war. Zeugen seiner politischen Vergangenheit sind unter anderem Fotografien seiner Staatsgäste in der Nähe des Empfangs, Ausstellungen und das regelmäßige Treffen der Familien Konrad Adenauers mit den beiden seinen Namen tragenden Stiftungen am 5. Januar jeden Jahres, in Erinnerung an seinen Geburtstag im Jahr 1876.

Hier war nach dem Zweiten Weltkrieg der Sitz der Hohen Kommissare, lernte die Bundesrepublik das Laufen, indem der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer protokollwidrig, aber selbstbewusst auf den roten Teppich der Sieger trat. Hier wurde das Abkommen besiegelt, das den Weg der Bundesrepublik in den Westen frei machte. Der Petersberg ist übrigens der einzige im Siebengebirge, dessen Gipfel man mit dem eigenen Auto erreichen kann.

Und nun nach Rhöndorf, Ortsteil von Bad Honnef. Dort Besuch des schlichten Grabes von Adenauer im Waldfriedhof. Er starb am 19. April 1967 in seinem Haus am Zenningsweg. Das kann man besuchen und besichtigen. Die gutbürgerliche Wohnkultur wirkt noch heute so, als sei der „Alte“ gerade erst gegangen.

Im modernen Anbau davor sind die historischen Ausstellungen der staatlichen Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus zu besuchen, zur Zeit eine Wanderaustellung zur Vor- und Frühgeschichte der Bundesrepublik. Darin wird auch an Carlo Schmid erinnert, Adenauers großen sozialdemokratischen Mitspieler unter den Verfassungsvätern.

Von Konrad Adenauers Rhöndorf ist es nicht weit zu Willy Brandts Unkel. Dort ist im Rathaus in der Ortsmitte sein Arbeitszimmer zu besichtigen. Der Bundeskanzler a. D. und langjährige SPD-Vorsitzende, geboren 1913 in Lübeck, wohnte in diesem romantischen Rheinstädtchen mit Brigitte Seebacher von 1979 bis zu seinem Tod 1992 „Auf dem Rheinbüchel“, also nicht weit von der Wohnung des Dichters Stefan Andres.

Dort besuchte Bundeskanzler Helmut Kohl seinen bei und wegen der Wiedervereinigung zum Bündnisgenossen gewordenen todkranken einstigen Gegner. Brandt zog sich trotz großer Mühen noch einmal den Anzug an: „Ich kann doch meinen Bundeskanzler nicht im Pyjama empfangen.“ Am Ende von Brandts Leben wuchs auch mit Helmut Kohl „zusammen, was zusammengehört.“

Insgesamt 58 Stationen umfasst der Weg der Demokratie, vier Elemente beinhaltet dabei der Rundgang: 18 große Tafeln an zentralen historischen Orten, 40 kleinere Schilder an weiteren geschichtsträchtigen Stätten, die Homepage "www.wegderdemokratie.de" und zwei Faltblätter, eins auf Deutsch, eins auf Englisch.

Auf den Haupttafeln sind Fotos zu sehen. Kurze Texte, ebenfalls in Deutsch und Englisch, erinnern an die historische Bedeutung des Ortes. Damit sich der Weg dem Besucher leicht erschließt, ist auf jeder Tafel die zurückliegende und die nächste Station erwähnt. Zu Fuß ist der engere Weg in 90 bis 120 Minuten zu schaffen.

outdooractive.com User
Autor
General-Anzeiger Bonn
Aktualisierung: 25.02.2014

Schwierigkeit
leicht
Kondition
Erlebnis
Höhenlage
59 m
52 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Weitere Infos und Links

www.wegderdemokratie.de

Start

Hofgartenwiese der Universität Bonn (59 m)
Koordinaten:
Geographisch
50.732510, 7.105430
UTM
32U 366300 5621791

Ziel

Haus der Geschichte, Museumsmeile, Willy-Brandt-Allee 14 53113 Bonn

Öffentliche Verkehrsmittel

U-Bahn
Linien 16, 63, 66
Haltestelle "Heussallee / Museumsmeile"

Bus
Linie 610, 611
Museumslinie Haltestelle
Bundeskanzlerplatz/ Heussallee

Parken

Parkplätze
Parkhaus, PKW- und Busparkplatz der Museumsmeile
Anfahrt über W.-Flex-Straße.
Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

Buchtipps für die Region

mehr zeigen

Kartentipps für die Region

mehr zeigen

Community

 Kommentar
 Aktuelle Bedingung
Veröffentlichen
  Zurück zur Eingabe
Punkt auf Karte setzen
(Klick auf Karte)
oder
Tipp:
Der Punkt ist direkt auf der Karte verschiebbar
Löschen X
Bearbeiten
Abbrechen X
Bearbeiten
Punkt auf Karte ändern
Videos
*Pflichtfeld
Veröffentlichen
Bitte einen Titel eingeben.
Bitte gib einen Beschreibungstext ein.
Schwierigkeit
leicht
Strecke
4,5 km
Dauer
1:19 h
Aufstieg
7 hm
Abstieg
10 hm
Etappentour kulturell / historisch

Statistik

: h
 km
 Hm
 Hm
Höchster Punkt
 Hm
Tiefster Punkt
 Hm
Höhenprofil anzeigen Höhenprofil verbergen
Verschiebe die Pfeile, um den Ausschnitt zu ändern.