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Wanderung empfohlene Tour

Entdecke die Biosphäre Schaalsee. Grenzlandtour zwischen Dechow und Lankow

Wanderung · Mecklenburg-Schwerin
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Frank Strauß & Familie
  • Ehemalige Grenzanlage am Lankower See. (Detail der Infotafel an der B208)
    Ehemalige Grenzanlage am Lankower See. (Detail der Infotafel an der B208)
    Foto: Frank Strauß & Familie, Community
m 50 40 30 12 10 8 6 4 2 km
Das Verbindende: Zwei uralte Siedlungen, die mit ihrer slawischen »ow«-Endung »am Sumpf gelegen«, nur sehr bescheiden beschreibt. Das Trennende: Die Lage in direkter Grenzlage wurde Lankow zum Verhängnis, das 1976 geschleift wurde. Das nahe Dechow am Röggeliner See hingegen präsentiert sich heute mit seinen liebevoll sanierten Fachwerkhöfen als ein Juwel in der Region. Was bleibt ist das untrennbar Verbindende: wildeste Wildnis weit und breit!
leicht
Strecke 12,1 km
3:00 h
25 hm
25 hm
55 hm
32 hm

In der ehemaligen Grenzregion, welches das Ziel der Tour ist, konnten sich, insbesondere auf der mecklenburgischen Seite, Seen, Wälder, Sümpfe und Heiden teilweise über Jahrzehnte ungestört entwickeln.  Ein Großteil der Flächen aus der forstwirschaftlichen Nutzung herausgenommen, so dass die Wälder völlig sich selbst überlassen sind und einer naturnahen Entwicklung nichts mehr im Wege steht.

Dechow: Bis zum zweiten Weltkrieg gehörte das 1194 erstmals erwähnte Dorf zum Herzogtum Lauenburg. Innerhalb eines Gebietsaustausches im November 1945 fiel es von der britischen in die sowjetische Besatzungszone, worauf beinahe alle Einwohner ihre alte Heimat verlassen haben, während sudetische Flüchtlinge in die leerstehenden Gebäude einquartiert wurden. Das Leben in der eingerichteten 5-Km-Sperrzone bis zu der nahezu unüberwindbaren deutsch-deutschen Grenze war in der Folgezeit außerordentlichen Beschränkungen unterworfen. Heute leben in Dechow vor allem Menschen, die nach der Wiedervereinigung aus Ost und West zugezogen sind. Das bäuerliche Kulturerbe aus historischen Fachwerkhäuser wurde mit viel Liebe zum Detail und großem ehrenamtlichen Engagement denkmalgerecht saniert, was 2014 in dem Bundeswettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« als schönstes Dorf Mecklenburg-Vorpommerns gewürdigt wurde.

Lankow: Das 1209 erstmals erwähnte Dorf, wie Dechow Gründungen des Ratzeburger Bischofs, bestand Ende des 19. Jahrhunderts aus 3 Bauernstellen, fünf Büdnerein, 3 Katen und einer kleinen Schule. Im Zuge der Grenzsicherung wurden 1952 und 1961 (Deckname: Kornblume und Ungeziefer!) unliebsame Bürger zwangsumgesiedelt. Um den Anschein von Normalität zu suggerieren ließ die SED-Regierung noch jene Häuser renovieren die vom Westen aus sichtbar waren, bevor 1976 das mittlerweile unbewohnte Dorf ganz abgetragen und der Bauschutt in den See geschoben wurde um freies Sichtfeld zu haben. Neben einem zauberhaften Platz an einer Landzunge des Lankower Sees zeugen heute noch Gebäudereste und Obstbäume von der einstigen Besiedlung, ebenso eine Infotafel mit dokumentarischen Fotos des historischen Dorfes.

Röggeliner See: Der reich gegliederte Flachwassersee mit seinem Umfang von etwa 8 Kilometern wird von zahlreichen Wasservögeln bevölkert, besonders die auf einer Insel befindlichen Kormorankolonie in der Mitte des Sees fasziniert uns immer wieder. Die abgestorbenen Horstbäume, durch den Kot der Vögel geweißt, sind mit dem Fernglas gut zu erkennen. Aber unsere Stars der Lüfte sind die am Westufer erfolgreich brütenden Seeadler.

Kuhlrader Moor: Eine beinahe einzigartiges Relikt der ehemals strukturreichen Landschaft ist westlich des Röggeliner Sees erhalten geblieben. Es gilt mit seinen Hecken, Feldgehölzen und Redder (Niederdeutsche Bezeichnung für einen Weg, der beidseitig von einer Hecke begrenzt wird) als eines der großen zusammenhängenden artenreiche Grünlandgebiete des Biosphärenreservates. Eine naturnahe Landschaft mit zahlreichen Kleingewässern, Moorwaldbereichen und der Nähe zum Röggeliner See bieten verschiedensten Vogelarten wie Kraniche, Feldlerchen, Wiesenpiepern und Bekassinen eine Heimat. Der alljährlich in Dechow brütende Weißstorch findet in den Feuchtgebieten zahlreich vorkommenden Amphibien wie Rotbauchunke, Teichfrosch und Moorfrosch ein vielseitiges Nahrungsangebot.

NSG Lankower See: Steile Hänge, fjordartige Buchten und eine große Insel, das alles wurde geformt infolge der Gletscherschmelze vor etwa zehntausend Jahren. Ein dichter Schilfgürtel umgibt den See. In den Niederungen entdeckt man Schwarz-Erlen, Birken und Grauweiden. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden großflächig Waldflächen gerodet und fortan landwirtschaftlich genutzt. Ganze 44 Brutvogelarten wie Rohrdommel, Haubentaucher, Eisvogel und Teichrohrsänger wurden hier nachgewiesen. Auch ist der See ein bedeutendes Rastgewässer etwa für Graugänse, Reiherenten und Kormorane.

NSG Lankower Seeufer, Grammsee und Umgebung: Als Teil des »Grünen Bandes« auf schleswig-holsteinischer Seite entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze stellt das Gebiet mit seinen überwiegend von Laubwaldbeständen geprägten Bereiche unter Schutz. Die Waldgebiete die früher forstwirtschaftlich genutzt wurden dürfen sich heute natürlich entwickeln. Der Grammsee ist von einem Erlenbruchwald umgeben, zu dem sich Grauweiden und Moorbirken gesellen. Die den See umgebenden Schilfzonen und Waldgebiete Rohrdommel, Rohrweihe, Teichrohrsänger, Rohrammer, Zwergtaucher, Pirol, Schlagschwirl und Sprosser einen prächtigen Lebensraum.Das

Schutzziel des 25 Hektar großen NSG Der Ewige Teich besteht im Erhalt einer als Grünland genutzten Niederung im Biotopverbund zwischen den Naturschutzgebieten Lankower See und Goldensee. Die Flächen lagen zu DDR-Zeiten abgeschieden und unzugänglich nahe der innerdeutschen Grenze.

Autorentipp

Picknickdecke einpacken, sich in der »Gläsernen Meierei« in Dechow mit köstlichem Bio-Käse, Brot und Wein eindecken und in einer Wildblumenwiese auf der Landzunge des Lankower Sees niederlassen und eine ausgiebige Rast einlegen. Am Besten zwischen Mai und Juni wenn überall der Besenginster blüht!
Schwierigkeit
leicht
Technik
Kondition
Erlebnis
Landschaft
Höchster Punkt
55 m
Tiefster Punkt
32 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Weitere Infos und Links

Einkaufen: Gläserne Meierei

Architektonisch anspruchsvoll präsentiert sich in einem holzverschalten Kubus die Gläserne Meierei. Hier findet sich regionale Bio-Erzeugnissen im Hofladen für das perfekte Picknick, von Milchprodukte wie fein gesalzene Fassbutter, Kuhmilch- und Schafkäse, Wurstwaren, über Brot der Mühlenbäckerei in Schwerin bis zu Bioweine und Bieren. Auch Kaffee und feines Gebäck wird angeboten. (Meiereiweg 1, 19217 Dechow) https://glaeserne-molkerei.de/

Café: Im Sande 7

Macht diese Wanderung Sonntags (denn nur dann geöffnet!) und besucht im Anschluss noch dieses nahegelegene zauberhafte Gartencafé mit einer wirklich sensationellen Kuchenauswahl und auch einigen herzhaften saisonalen Gerichten. Alles ist hausgemacht, es werden ausschliesslich Bio- und Demeterprodukte verwendet. (Sande 7, 23909 Ziethen) https://sandesieben.de/cafe-und-garten.html

Anschauen: Das Grenzhus

Wenn Ihr nun endgültig neugierig geworden seid und mehr über die jüngste Vergangenheit des geteilten Deutschlands erfahren möchtet, gewinnt Ihr im nahen Schlagsdorf spannende Erkenntnisse über das Leben dies- und jenseits der Grenze von 1949-1989. (Neubauernweg 1, 19217 Schlagsdorf) http://www.grenzhus.de/grenzhus.html/

Übernachten: Bauernkate-Klein-Thurow

Wer möchte, kann gerne bei uns hier im Biosphärenreservat Schaalsee nahe des Startes der Tour, ebenfalls in schönster Natur eine ruhige Unterkunft finden, wir vermieten in einer denkmalgeschützten, ehemaligen Landarbeiterkate, zwei mit historischen Möbeln eingerichtete Ferienwohnungen. In der benachbarten Fachwerkscheune erwartet euch, neben einem weiteren Apartment, auch ein kleines Heuhostel und B&B. www.bauernkate-klein-thurow.de

Bewertet und kommentiert gerne die Touren, wir sind für alle Hinweise dankbar!

Start

B208 exakt an der Grenze zwischen Mecklenburg und Herzogtum Lauenburg, der einstigen Landesgrenze (45 m)
Koordinaten:
DD
53.704324, 10.903329
GMS
53°42'15.6"N 10°54'12.0"E
UTM
32U 625637 5952307
w3w 
///reichende.sänger.mädchen

Ziel

Hier endet die Tour

Wegbeschreibung

Startpunkt ist exakt die Stelle, an der am 12. November 1989 der Schlagbaum an der innerdeutschen Grenze sich hier an der B208 für immer öffnete. Um die Grenze besser sichern zu können, wurden hier zur DDR-Zeit einige Linden gefällt, die nach der Öffnung wieder durch Jungbäume ersetzt wurden. Eine Schautafel mit historischen Aufnahmen informiert über die Situation an diesem ehemaligen Grenzübergang. Folgt dem Fußweg parallel der Bundesstraße ein kurzes Stück in östlicher Richtung. Bleibt entweder  auf dem Weg bis die Landstraße (NWM7) nach Groß Molzan abbiegt der Ihr dann etwa 200 Meter folgt, oder kürzt quer-Feld-ein über eine Wiese am Rande des Getreidefeldes. Ein beidseitig von einer Hecke begrenzter Weg führt am Ruthenberg (Mit 67 m ü. NN. die höchste Erhebung der Tour!) vorbei, mit teilweise schönstem Weitblick in die Natur. Rasch ist an seinem Ende das Dorfgemeinschaftshaus in Dechow erreicht.

Das stattliche Werderhaus, das ehemals ein Wirtshaus beherbergte, präsentiert sich heute Dank dem ehrenamtlichen Engagement der Dorfbewohner wieder in seiner alten Schönheit. In dem hübschen Jugendstilsaal finden Veranstaltungen wie die, weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannten, »Kulturtage Dechow« statt. Auf dem Weg (Dorfstraße) zum Dorfanger passiert Ihr einige denkmalgerecht sanierte Fachwerkhäuser.

Erwähnenswert etwa ein versetztes über 250 Jahre altes Backhaus aus Holz, Lehm und Schilf, ein schornsteinloses 1830 errichtetes Rauchhaus, in dem der Qualm vom Ofen übers Dach abzog, dort Getreide dörrte und Speck räucherte - entdeckt? Das letztgenannte befindet sich hinter dem alljährlich bewohnten Storchennest, vor dem der Seeweg zum Ufer des Röggeliner Sees abbiegt. Eine Informationstafel gibt Auskunft über die Geschichte des Dorfes, die Fauna und Flora. Dicht am Ufer sind noch deutlich sichtbar die Reste eines frühmittelalterlichen Turmhügels zu erkennen, auf dem, umgeben von einem Wassergraben und einem kreisförmige Wallfundament mit Palisadenmauer, einst ein hölzerner Wehrturm stand, in den sich bei Gefahr die Bewohner der benachbarten Hofanlage zurückzogen.

Rasch ist die Badestelle erreicht, von dessen Steg sich ein großartiger Ausblick bietet. Auf der Halbinsel an dem gegenüberliegenden Ostufer befand sich im Mittelalter die größte Ritterburg des Bistums Ratzeburg! Der Sage nach sollen die Steine der Burg um das Jahr 1480 zum Bau des Fundaments der Dorfkirche Demern verwandt worden sein. Im Norden erkennen Sie die Kormoraninsel (s.o.). Etwa 100 Meter südlich der Badestelle beginnt der ursprüngliche »Moor & Koppel« Wanderweg. Er verläuft entlang von schützenden Wall- und Feldhecken, die die Pfade und Wege säumen zu den kleinen Gewässern und dem Feuchtgrünland des Borgmoores.

Am Ende des Pfades folgt Ihr nahe der »Gläsernen Meierei« ein kleines Stück in westlicher Richtung auf asphaltierter Straße, bevor diese wieder verlassen wird. Über einen Feldweg geht es in den Lankower Holz, der nun durchwandert wird. Beste Orientierung bietet die Beschilderung des »Mönch-Ernestus-Wanderweg«. In dem weitgehend forstwirtschaftlich genutzte Nadelwald halten wir gerne nach Steinpilzen Ausschau. Beim Erreichen der »Thurower Straße« folgt dieser Richtung Süden vielleicht 80 Meter bevor dann östlich die alte Pflasterstraße nach Lankow abzweigt (Informationstafel). Uns überfällt immer ein etws mulmiges Gefühl wenn wir das Dorfeingangsschild passieren, zeigt sich außer schönster Natur doch kein einziges Gebäude.

Weiter dann, am ehemaligen Dorfanger weisen neben wenigen Fundamentresten und verwilderten Obstbäumen ein Gedenkstein und eine Informationstafel auf die erschütternde Geschichte des Dorfes (s.o.). Ein wenig tröstlich ist, das hier wenigstens Schafe, die hier gerne grasen, ein neues Zuhause gefunden hat. Wir empfehlen den Feldweg zum Ufer des Lankower Sees weiterzugehen, vielleicht sogar hier, wo vor nicht allzu langer Zeit der Grenzzaun durch den See ging ein Bad zu nehmen um völlig gefahrenlos von Ost nach West und wieder zurückzuschwimmen.

Setzt diese anschauliche Tour direkt in die jüngste Vergangenheit in östliche Richtung auf naturnahen Pfaden des »Grünen Bandes« fort, das hier seinem Namen wirklich alle Ehre macht, die nun eine ganze Weile grenznah auf dem Territorium der ehemaligen DDR verläuft. In einem etwa 200-500 Meter breiten »Schutzstreifen« unmittelbar an der Grenze versperrten ein sogenannter »Grenzsignalzaun« und ein weiterer engmaschiger Grenzzaun den Weg in den Westen. Spuren der einstigen Grenze sind kaum mehr auszumachen, hier vielleicht ein ehemaliger Kolonnenweg und weite Felder, die keinen Unterschlupf boten und gleich nebenan wildeste Wildnis im benachbarten Schleswig-Holstein. Der Grammsee (s.o.) schimmert hier und da zwischen dem Erlenbruchwald durch, ebenso unberührt und geheimnisvoll auch das NTG Ewiger Teich, ein Moorgraben, der den Lankower See mit dem Goldensee verbindet. Mit die größten Bestände an Besenginster im Biosphärenreservat gedeihen hier prächtig in den Magerrasenbiotopen, die von Mai bis Juni blühen. Von weitem kündigt sich der Ausgangspunkt, die alte Lindenallee (B208) an.

Hinweis


alle Hinweise zu Schutzgebieten

Koordinaten

DD
53.704324, 10.903329
GMS
53°42'15.6"N 10°54'12.0"E
UTM
32U 625637 5952307
w3w 
///reichende.sänger.mädchen
Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

Kartenempfehlungen des Autors

Mit der Premium Version von der Outdooractive-App lässt sich die Tour offline herunterladen, dank GPS-Ortung geht keiner verloren. Wer's analog mag: »Schaalsee«, offizielle Rad und Wanderkarte, Maßstab 1:50.000, Maiwald-Verlag

Ausrüstung

Festes Schuhwerk, Tour meist auf naturnahen Pfaden

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Schwierigkeit
leicht
Strecke
12,1 km
Dauer
3:00 h
Aufstieg
25 hm
Abstieg
25 hm
Höchster Punkt
55 hm
Tiefster Punkt
32 hm
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Statistik

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