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Themenwege

Auf Hermann Hesses Spuren rund um Calw

Themenwege · Schwarzwald
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Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald Verifizierter Partner  Explorers Choice 
  • Freibad Bad Teinach
    / Freibad Bad Teinach
    Foto: Michael Stahl, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • /
  • Rathaus Bad Teinach - Zavelstein
    / Rathaus Bad Teinach - Zavelstein
    Foto: Michael Stahl, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • Kabalistische Lehrtafel
    / Kabalistische Lehrtafel
    Foto: Michael Stahl, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • Naturpark-Wirt Hotel Therme Teinach
    / Naturpark-Wirt Hotel Therme Teinach
    Foto: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Naturpark-Wirt Hotel Therme Teinach
  • Burgruine Zavelstein
    / Burgruine Zavelstein
    Foto: Michael Stahl, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • / Das Gemäuer der Burgruine Zavelstein
    Foto: Outdooractive Redaktion, Teinachtal-Touristik
  • / Der Burggraben
    Foto: Outdooractive Redaktion, Teinachtal-Touristik
  • / Aussicht von der Burgruine Zavelstein
    Foto: Michael Stahl, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • / Blick auf das Städtle
    Foto: Outdooractive Redaktion, Teinachtal-Touristik
  • / St. Georgskirche
    Foto: Michael Stahl, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • / Städtle Zavelstein
    Foto: Michael Stahl, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • / Berlins KroneLamm
    Foto: Michael Stahl, Berlins Krone Lamm
  • / Gottsacker
    Foto: Michael Stahl, Dr. Pichler
  • / Gemütliche Einkehrmöglichkeit: das Wanderheim Zavelstein
    Foto: Outdooractive Redaktion, Teinachtal-Touristik
  • / Hisotrische Butterstaffeln
    Foto: Outdooractive Redaktion, Stadt Calw
  • / Hermann Hesse auf der Nikolausbrücke
    Foto: W. Biselli, Schwarzwaldverein Radolfzell
  • /
    Foto: Alina Rieger, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • / Im Rötelbachtal
    Foto: Manuela Röskamm, Teinachtal Touristik - Franziska Krause
  • / Genießerpfad Calw - Schafott
    Foto: Manuela Röskamm, Stadt Calw
  • / Wölflesbrunnen
    Foto: Manuela Röskamm, Bernhard Stopper
  • / Rötelbachtal
    Foto: Manuela Röskamm, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • / Gimpelstein
    Foto: Manuela Röskamm, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • / Stadtgarten_3
    Foto: Alina Rieger, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • /
    Foto: Alina Rieger, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
  • / Gewässerstruktur
    Foto: Jana Stoll, Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
150 300 450 600 750 m km 2 4 6 8 10 12 14 16 Burgruine Wanderheim Zavelstein Stadtgarten Calw, Bahnhof Freibad Bad Teinach

Eine literarische Wanderung führt den Wanderer in die Welt von Hermann Hesse. Lassen Sie sich auf der knapp über 17km langen Strecke in seine Welt entführen!

mittel
17,5 km
5:18 h
470 hm
471 hm

"Oh, ihr Wanderburschen, ihr fröhlichen Leichtfüße,jedem von euch sehe ich wie einem König nach, mit Hochachtung, Bewunderung und Neid. Jeder von euch hat eine unsichtbare Krone auf, jeder von euch ist ein Glücklicher und Eroberer. Auch ich bin euresgleichen gewesen, und weiß, wie Wanderschaft und Fremde schmeckt. Sie schmeckt, trotz Heimweh, gar süß. ( ... )Noch einmal jung, unwissend, ungebunden, frech und neugierig in die Welt hineinzulaufen, hungrige Kirschenmahlzeiten am Straßenrande zu halten und bei den Kreuzwegen das 'rechts oder links' an den Rockknöpfen abzuzählen! Noch einmal kurze, laue,duftende Sommernächte unterwegs im Heu verschlafen, noch einmal eine Wanderzeit in harmloser Eintracht mit den Vögeln des Waldes, mit den Eidechsen und Käfern leben. Das wäre wohl einen Sommer und ein paar neue Stiefelsohlen wert".( Aus: Hermann Hesse: Lindenblüte (1906), in: Sämtliche Werke, Band 13: Betrachtungen und Berichte 1899-1926, Suhrkamp Verlag 2003, S. 149 f. )

Hermann Hesse war selbst ein begeisterter Wanderer, wie schon das an den Anfang gestellte Zitat zeigt. Bereits in seiner Jugend hat Hesse in seiner schwäbischen Heimat, im Nordschwarzwald, im Gäu und auf der Schwäbischen Alb "Fußreisen"unternommen. Später hat sich der Radius, den er sich zu Fuß erschlossen hat, auf die Bodenseegegend, den Schweizer Jura, das Berner Oberland, das Tessin, das Oberengadin und auf Oberitalien erweitert. Viele Reise- und Wanderskizzen in seinem Werk, so zum Beispiel in dem Bändchen "Wanderung", legen davon Zeugnis ab. Auch sind mehrere seiner Romanfiguren Wanderer: so zum Beispiel Peter Camenzind, Knulp,Goldmund oder Klingsor. Von daher liegt es nahe, sich als Wanderer auf Hermann Hesses Spuren zu begeben.

Der Weg hat alles, was man sich von einer Wanderung wünscht. Unterwegs schöne Wälder, das interessante Bergstädtchen Zavelstein mit seiner romantischen Burgruine, und den Badeort Teinach mit seiner komfortablen Therme, in der sich müde Wanderer bestens regenerieren können. Von Bad Teinach geht es dann durchs Teinachtal ins Nagoldtal hinaus. Und von dort aus wieder zurück in in die Hermann-Hesse-Stadt Calw. Unterwegs gibt es manches Geschichtsträchtige zu entdecken, und Sagen und Mythen begleiten uns auf Schritt und Tritt.Hermann Hesse war hier gerne und viel unterwegs und kann uns dazu einiges erzählen.

Hermann Hesse Schwarzwald Seltsam schöne Hügelfluchten,dunkle Berge, helle Matten,rote Felsen, braune Schluchten,überflort von Tannenschatten!Wenn darüber eines Turmes frommes Läuten mit dem Rauschen sich vermischt des Tannensturmes,kann ich lange Stunden lauschen.Dann ergreift wie eine Sage,nächtlich am Kamin gelesen,das Gedächtnis mich der Tage,da ich hier zu Hause gewesen, da die Fernen edler, weicher,da die tannenforstbekränzten Berge seliger und reicher mir im Knabenauge glänzten.( Aus: Hermann Hesse: Sämtliche Werke, Band 10: DieGedichte, Suhrkamp Verlag 2002, S. 75 )

Autorentipp

Genießen Sie die vielseitige und heimische Gastronomie.

Besichtigung der Hessestadt Calw und dem Städtle mit Burg Zavelstein.

Zum Abschluss ein Bad in der neuen Mineralttherme Bad Teinach.

outdooractive.com User
Autor
Michael Stahl
Aktualisierung: 18.03.2019

Schwierigkeit
mittel
Kondition
Erlebnis
Landschaft
Höchster Punkt
604 m
Tiefster Punkt
333 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Einkehrmöglichkeit

Berlins KroneLamm
Berlins KroneLamm
Gasthof Pension Waldhorn
Naturpark-Wirt Hotel Therme Bad Teinach
Wanderheim Zavelstein
Hotel Rössle
Zum Alten Calwer

Sicherheitshinweise

Bei feuchter Witterung bitte gutes Schuhwerk

Ausrüstung

Wanderschuhe, Wetterentsprechende Kleidung, kleine Rucksackverpflegung und Getränke sind zu empfehlen.

Weitere Infos und Links

Informationen bei der Teinachtal-Touristik Bad Teinach Zavelstein und der Stadtinfo Calw

Start

Freibadparkplatz Bad Teinach (383 m)
Koordinaten:
Geographisch
48.689099, 8.693127
UTM
32U 477415 5392940

Ziel

Freibadparkplatz Bad Teinach

Wegbeschreibung

Der Weg nach Zavelstein und Teinach ist Teil des Schwarzwald-Ostweges von Pforzheim nach Schaffhausen am Rhein, der durchgehend mit einer schwarz-roten Raute markiert ist. Danach folgen wir den anderen Rauten-Markierungen des Schwarzwaldvereins. Ein Stück des Weges verläuft auch ohne Markierung. Vom unteren Ende des Calwer Marktplatzes die Salzgasse hinaufgehend, erreicht der Weg bereits nach 100 Metern bergauf den Stadtgarten, einen im 19 .Jahrhundert angelegten Waldpark, der eine große Vielfalt von Baumarten aufweist.

In diesem ist auch von Interesse, dass entlang der Wege Stelen mit Gedichten Hermann Hesses und alten Ansichten von Calw aufgestellt sind. Oberhalb der "Schillerstraße", die nach kurzem Anstieg durch den Park überquert wird, wendetder Weg sich bei einem Rondel mit Stelen, die Jahreszeitengedichte verschiedener Dichter zur Lektüre anbieten, nach links und führt wenig später auf einer kleinen Holzbrücke über den Schießbach.

Nach weiteren 300 Metern erreicht der Weg sodann den Gimpelstein, einen für die Westseite des Nagoldtals typischen roten Buntsandsteinfelsen, von dem aus man noch einmal einen Blick über die tief untenliegende Calwer Altstadt und auf die gegenüberliegende Gäuseite des Nagoldtals hat. Unterhalb des Felsens stehen am Weg die mächtigen"Annabuchen", die bereits zu Hesses Jugendzeit da standen und bei Familienspaziergängen gern aufgesucht wurden, wie wir aus Briefen wissen.

Oberhalb des Gimpelsteins bei einem Umsetzermast erreicht der Weg bereits die Talkante und führt nun relativ eben durch Nadelwald. Nach einem knappenhalben Kilometer taucht links vom Weg das ausBuntsandsteinen erbaute Schafott auf. Die alte Richtstätte der Stadt ist heute ein Waldidyll,und das war sie auch schon zu Hermann HessesJugendzeit; die letzte Hinrichtung lag auch damalsbereits über ein halbes Jahrhundert zurück; in der alten"Heimatkunde vom Oberamt Calw" wird darüberberichtet: "Am 28. August 1818 wurde eineRaubmörderin, Gertrude Pfeiflin von Teinach,hingerichtet. Diese war im Gefängnis, dem 'Langen' -dem heute noch existierenden Stadtturm oberhalb derStadtkirche - so dick geworden, daß sie auf einem Karren zur Richtstätte geführt werden mußte. Währendder Überführung wurde das 'Arme-Sünder-Glöcklein'auf dem Rathaus geläutet. Am Schafott angekommen,bekam die 'Arme Sünderin' eine Ohnmacht, so daß sievollends hinaufgetragen werden mußte. In der Mittedes Schafotts war ein Stuhl aufgeschlagen, auf den dieMörderin aufrecht festgebunden wurde; rings um dasSchafott waren Gerüste für Richter und Zuschauer(Erwachsene und Schulkinder) errichtet. Nachdem derMörderin von den Henkersknechten die Augenverbunden waren und ihre Kutte am Hals los- undaufgebunden worden war, wurde vom Richternochmals das Urteil verlesen und hierauf derScharfrichter zum Vollzug des Urteils aufgefordert.Dieser ließ sich nun von seinen Knechten daszweischneidige Richtschwert reichen und vollzog denschaurigen Auftrag. Hernach ließ er sich - wieder vonseinen Knechten - den Kopf der Gerichteten reichenund fragte, den abgehauenen Kopf hochhaltend: 'Habeich recht gerichtet, wie das Recht und Urteil spricht?',worauf die Menge mit 'Ja' antwortete. Damit war dieschauerliche Hanndlung vollendet. Der Kopf derRaubmörderin wurde auf einen Spieß gesteckt und zurAbschreckung öffentlich ausgestellt." Schnell fort vom Ort des grausigen Geschehens, derheute so harmlos-idyllisch wirkt! Nach einem weiterenhalben Kilometer geradeaus, zweigt der Weg halbrechtsab und führt als Pfad an einem Spiel- und Grillplatzvorbei. Kurz darauf stößt er jenseits einer Wegkreuzungauf ein Wildschweingehege, in dem sich diese Tiere, dieman in freier Wildbahn auch hier im Nordschwarzwaldnicht mehr leicht zu Gesicht bekommt, schönbeobachten lassen, besonders im Frühjahr, wenn sichganze Kinderstuben schwarz-weiß gestreifter, munterspielender Frischlinge im Gehege tummeln. An derFutterhütte vorbei kommt man zum hinteren Ende desGeheges. Hier geht ein kleiner Pfad nach rechts in denWald hinein. Auf ihm kommt man nach etwa 50 Meternzum Wolflesbrünnele, das unter einer Eibe aus demFels fließt und das Hesse besonders geliebt hat, so dasser sich noch im Alter in Briefen immer wieder daranzurückerinnert hat. Wer viel Zeit hat, könnte von hier aus einmal um dasganze Wildschweingehege herumwandern, wobei manauch zu einer in das Gehege ein Stück hineinführendenHolzplattform kommt, von der man die Tiere besondersgut beobachten kann.Wer das nicht möchte, geht vom Brünnele gleichwieder die 50 Meter zu dem geschotterten Waldwegzurück und folgt diesem nach rechts weiter, bis er nachca. 250 Metern an die Kante des tief eingeschnittenenRötelbachtals kommt. Dort führt ein kleiner Waldpfadnach links im Zickzack in das Tal hinunter, wo mandann direkt am Bach einen idyllischen Pfad einen knappen Kilometer hinaufwandern kann, bis man zumZavelsteiner Brückle kommt.Die Zeilen "rote Felsen, braune Schluchten/ überflortvon Tannenschatten" aus Hermann HessesSchwarzwald-Gedicht lassen sich hier besonders gutnachempfinden. Das "Zavelsteiner Brückle" ist ein Ort, der sich seitaltersher mit zahlreichen Geistersagen verbindet.Besonders nachts soll es hier nicht geheuer sein. Aberauch am Tag, wenn einem zum Beispiel einSchmetterling unter der Brücke hervorentgegengaukelt, sollte man vorsichtig sein. In dieserGestalt soll nämlich einst ein böser Hausgeist aus demoberhalb liegenden Dörfchen Speßhardt von einemMönch unter die Brücke gebannt worden sein. Sobald man das Brückle, hoffentlich unbeschadet,hinter sich gebracht hat, muss man entweder auf demhier steil bergauf führenden Sträßchen oder auch aufdem einige Meter seitwärts im Wald parallel laufendenPfad hinauif wandern, wobei nach kurzer Strecke einanderes Sträßchen überquert wird. Nach etwa 500Metern erreicht man zunächst eine große Waldwieseund kurz darauf den Waldrand oberhalb von Zavelstein.An der dortigen Straßenkreuzung eröffnet sich dieMöglichkeit, entweder nach links zum Wanderheim desSchwarzwaldvereins zu gehen, wo man Verpflegungbekommen kann, oder gleich geradeaus nachZavelstein hinunter zu wandern. Zuvor sollte man hier oben aber auf alle Fälle noch einwenig stehen und schauen. Die Wiesen hier sind dieberühmten Zavelsteiner Krokuswiesen, auf denen imzeitigen Frühjahr, noch bevor die Wiesen richtig grünwerden und andere Blumen kommen, der wilde Safranmit seinen violetten Blüten und safrangelbenStaubfäden hervortreibt und einen wunderbarenBlütenteppich bildet. Er soll einst als Samen ausOberitalien in den Burggarten von Burg Zavelsteingebracht worden und von dort dann ausgewildert sein.Wie fast alle Calwer früher, ist auch die Familie HesseJahr für Jahr nach Zavelstein hinausgewandert, umdieses Naturschauspiel zu bestaunen. Hermann Hessebedauert es in einem Brief an die Familie deshalb sehr,als er es 1896, während seiner Ausbildung zumBuchhändler in Tübingen, einmal nicht schafft, im Märznach Calw zu reisen und von dort nach Zavelstein zurKrokusblüte zu wandern. Zavelstein galt über lange Zeit als das kleinsteStädtchen Deutschlands. Die Stadtrechte soll es bereits1367 verliehen bekommen haben, als es noch aus derBurg und ein paar Häusern auf dem zur Burg führendenBergsporn bestand. Graf Eberhard II. von Württemberg, auch "der Greiner''oder "der Rauschebart" genannt, bedankte sich mitdem Stadtrecht dafür, dass er in den MauernZavelsteins Schutz vor seinen Feinden, dem Ritterbundder "Martinsvögel", fand, die ihn im Wildbad überfielen,als er dort zur Badekur und Jagd weilte. Ein Hirte sollihn dabei auf einsamen Pfaden zur Burg Zavelsteingebracht haben. Ludwig Uhland hat im 19 . Jahrhundertüber dieses Geschehen eine Ballade mit dem Titel "DerÜberfall im Wildbad" verfasst. Die "Martinsvögel", dienach der Keule in ihrem Wappen auch die "Schlegler"genannt wurden, waren ein Zusammenschluss vonGrafen und Rittern, deren Besitz an den derWürttemberger grenzte und die verhindern wollten,dass die Württemberger ihre Macht durch Erwerbumliegender Besitztümer immer mehr erweiterten.Eberhard "der Greiner", was "der Zänkische" bedeutet,hatte zum Beispiel 1345 auch große Teile derGrafschaft Calw samt Burg Zavelstein und Teinacherworben. Als Eberhard II. den "Schleglern" 1367 imWildbad entkam, legten diese den Badeort in Schuttund Asche. Der Kampf zwischen den verfeindetenParteien konnte erst im Jahre 1395 durch Eberhard III.zu Gunsten des Hauses Württemberg entschiedenwerden, das dadurch zur endgültig dominierendenMacht der Region wurde. Über die Anfänge von Zavelstein ist nichts Sicheresbekannt. Die Bauweise und die mächtigenBuckelquader des Bergfrieds lassen auf eine Erbauungim 12. Jahrhundert, das heißt zur Stauferzeit, schließen.Bauherren waren wohl die in der Gegend reichbegüterten Grafen von Calw, die hier eine Vogtsburgerrichteten. Die Burg wurde 1692, wie auch Calw undKloster Hirsau, von den Truppen Melacs, des Feldherrndes französischen Königs Ludwig XIV., zerstört unddanach nicht wieder aufgebaut . Nur der Turm wurde1813 wieder besteigbar gemacht, und dies sollte manunbedingt nutzen, um den wunderbaren Rundblick vonoben zu genießen. "Kleine Burg für wenig Mannen,Städtlein eng und schmal,rings des des Schwarzwalds Edeltannen,unten tief das Teinachtal." So hat Victor von Scheffel Burg und Städtchenbedichtet, als er im 19. Jahrhundert bei einem seinerBadeaufenthalte in Teinach hier stand. Weit schweiftder Blick vom Turm über das Tal und die bewaldetenHöhen dahin, aus denen die Rodungsflächen derWaldhufendörfer leuchten, so dass einem auch dieWorte Hermann Hesses wieder durch den Sinn gehen:"Seltsam schöne Hügelfluchten,dunkle Berge, helle Matten." Tief unten liegt Bad Teinach unser nächstesWanderziel, das auf einem Zickzackpfad zu erreichenist, der unmittelbar von der Ruine Zavelstein talwärtsführt."Tal der edlen Sprudelquelle,Bächlein, Heimat der Forelle,harz'gen Edelwaldes Lüfte,buntdurchblühter Wiesen Düfte,Brunnen, Badehaus , Lindenhallen,alles hat mir wohlgefallen." So empfand es damals der schon zitierte Victor vonScheffel. Ein wenig beeinträchtigt ist die Idylle heute durch diegroßen Abfüll- und Lagerhallen der Mineralbrunnen AG;hier hat das weithin beliebte Mineral- und Heilwasservon Bad Teinach seinen Tribut gefordert. Der alte Kerndes Heilbades um das Hotel Therme Teinach herum istaber ansprechend restauriert und um ein modernes,gut in den Kurpark eingepasstes Thermalbad erweitertworden.Als durstiger Wanderer sollte man keinesfallsversäumen, das Teinacher Heilwasser, die"Hirschquelle", zu trinken. Ihren Namen soll sie dadurchbekommen haben, dass die Quelle von einem Jägerentdeckt worden sein soll, der einen waidwundenHirsch im Teinchtal verfolgte und diesen schließlich beieiner Quelle fand, in welcher der Hirsch seine Wundenbadete. Er schloss daraus, dass dies eine heilkräftigeQuelle sein müsse, und dies stellte sich dann alszutreffend heraus. Hermann Hesse hat diese Sage, dieer natürlich schon als Kind in der Schule kennengelernthatte, in seiner 1928 geschriebenen ''SchwäbischenParodie" auf die Schippe genommen:"Eine eigene, ausführliche Darstellung verdiente dieGeschichte Knörzelfingens als Heilbad. In alten Zeitensoll ein Graf von Württemberg sich auf der Jagd in dasKnörzeltal verirrt haben, und, obwohl er und seineMannen ringsum Hasen, Hirsche, Fasanen und anderesWild in Menge erlegten , wurden sie doch diesererlegten Beute nur selten habhaft und entdeckten, alssie der Sache nachgingen, daß die verwundeten Tieresich zur murmelnden Knörzel schleppten, aus ihrtranken oder sich in ihr wuschen und alsbald gesundwieder in die prächtigen Wäder liefen, die noch heuteder Schmuck der Gegend sind. So entstand der Ruf desKnörzelwassers und seiner Heilkraft und das Tal wurdejahrhundertelang, ähnlich wie so manches anderebegnadete Tal unserer Heimat, von Kranken aller Artbesucht, namentlich aber von Leuten, welche an Gichtund Rheumatismen litten". ( Aus Hermann Hesse: "Sämtliche Werke", SuhrkampVerlag, Frankfurt am Main 2001, Band 8, Seite 422 f. ) Wann genau die Heilkraft der Quellen von Teinachentdeckt und für Badezwecke erschlossen wurde, istindes nicht bekannt. Erstmals urkundlich erwähnt wirdTeinach 1345 im Zusammenhang mit dem Übergangdes Ortes in württembergischen Besitz. 1473 war esjedenfalls schon ein bekanntes Heilbad, denn es wurdein diesem Jahr von einer Runde hoher Herrschaftenaufgesucht: Graf Eberhard "im Bart" von Württemberg,Herzog Ludwig von Bayern, Pfalzgraf Friedrich beiRhein sowie den Bischöfen von Speyer, Worms undEichstädt. 1617 ließ Herzog Johann Friedrich dieBadeeinrichtungen durch seinen Baumeister HeinrichSchickhardt ausbauen. 1662 stiftete dessen NachfolgerHerzog Eberhard III. dem Ort eine Kirche, zu derenAusschmückung die Schwester des Herzogs, PrinzessinAntonia, einen Flügelaltar mit einer kabbalistischenLehrtafel anfertigen ließ, die in geheimnisvollen Bildernchristlich-jüdischer Mystik, die von hebräischenSchriftzeichen umrahmt sind, das Weltbild jener Zeitsymbolisiert. Dieses ikonographisch einmalige Barock-Kunstwerk hat alle Zeitwirren überstanden und kann inder Teinacher Kirche täglich zwischen 10 und 17 Uhrbesichtigt werden. Herzog Eberhard Ludwig, derGründer von Ludwigsburg, ließ das Palais bauen unddie Parkanlagen erweitern; außerdem feierte er 1731 inTeinach die Versöhnung mit seiner Gemahlin, nachdemer seiner langjährigen Mätresse, derverschwendungssüchtigen Wilhelmine von Grävenitz,zur Freude des ganzen Landes endlich den Laufpassgegeben hatte. Auch der prunkliebende Herzog KarlEugen kam des öfteren nach Teinach; die"Heimatkunde vom Oberamt Calw" berichtet darüber:"Im Juli 1770 kam Karl Eugen mit dem ganzen Hofstaat,zu dessen Beförderung man 1200 Pferde benötigte,nach Teinach. Von Teinach aus jagte der Herzog beiStammheim, wo 50 Hirsche teils geschossen, teilsgefangen wurden; auf einer zweitägigen Jagd beilgelsloch wurden 71 Hirsche und 30 Rehe gefangen." 1835 bis 1844 wurden das Badehaus, das Kurhaus dieTrinkhalle, der Saalbau und der Marstall weitgehend'neu gebaut . Aus dieser Zeit stammt im Wesentlichendie Bausubstanz, die heute noch vorhanden ist und voreinigen Jahren renoviert und teilweise neu überbautwurde; es ist das heutige Thermalbad.Zur Fortsetzung unserer Wanderung geht man durchden Kurpark talabwärts. Am Ende des Parks, beimFreibad, bleibt man auf der rechten Seite der Teinachund nimmt den Weg, der hinter dem Bad zumWaldrand hochführt und mit einer blau-gelben Rautemarkiert ist. Dieser Weg führt im Wald auf halber Höhedas Tal entlang, bis er nach etwa 1,5 km eine Bachschlucht durchquert und nach einem weiterenhalben Kilometer ein direkt an der Teinach gelegenesMarmorsägewerk erreicht.Dieses Marmorsägewerk hatte Hesse sehrwahrscheinlich vor Augen, als er 1904 seine Erzählung''Die Marmorsäge" schrieb, in der es heißt:"In der kühlen Waldschlucht des Sattelbachs, der allepaar hundert Meter eine Mühle treiben muß, lagstattlich und sauber ein Marmorsägewerk [. .. ]. Als ichdas erstemal diesen Hof nach einem Neugierbesuchverließ, nahm ich ein kleines, einseitig poliertesStückchen weißen Marmors in der Tasche mit; dasbesaß ich jahrelang und hatte es als Briefbeschwererauf meinem Schreibtisch liegen." ( Aus: Hermann Hesse: Sämtliche Werke, Band 6: DieErzählungen 1900-1906, Suhrkamp Verlag 2001, S. 210) Wem der Rucksack noch nicht schwer genug ist, kanndies dem Erzähler ohne Probleme nachtun; vor demHoftor ist eine kleine Halde für Marmorabfall.Von der Marmorsäge ist es noch ein halber Kilometer,bis man auf die von Neubulach herabkommendeStraße am Beginn der wenigen Häuser vonStation Teinach stößt. Das erste Gebäude rechter Handist ein kleines Wasserkraftwerk, das durch einen 1915errichteten 1800 Meter langen Bergstollen mitNagoldwasser angetrieben wird. Die Straße amKraftwerk vorbeigehend, kommt man nach 50 Meternzu der Straßenkreuzung, bei der die von Bad Teinachkommende Straße einmündet, und nach weiteren 50Metern zu einem Kreisverkehr.  Hier muss man sich entscheiden, ob man nach rechtsüber die Nagoldbrücke zum dortigen Bahnhofhinübergehen und mit der Bahn nach Calwzurückfahren will, oder aber die knapp fünf Kilometerdahin doch noch zu Fuß gehen möchte.Für Letzteres geht man beim Kreisverkehr geradeausan einer Steinmetzwerkstatt und einem ehemaligenSägewerksgebäude entlang und quert an dessen Endedie nach Calw führende Bundesstraße hinüber zueinem kleinen Sträßchen, das bergauf führt. Nach circa400 Meter geht rechts ein Waldweg ab, der sich kurzsenkt und dann im Wald hoch über der Bundesstraßeweitgehend eben verläuft. Auf diesem wird nach einemknappen Kilometer der Waldrand oberhalb vonKentheim erreicht. Bei einer großen Eiche hat maneinen Überblick über das Dorf und sieht auch dieKirche, die das nächste Ziel der Wanderung ist. Sie kannerreicht werden, indem man nun entweder direkt denFußweg ins Dorf hinabgeht und durch dieses hindurch,oder indem der bisherige Weg weitergangen wird, der auf der Höhe um das Dorf herumführt und beim letztenHaus, einem netten kleinen Fachwerkhaus, in das hierherabkommende Rötelbachtal einmündet. DenRötelbachweg zwischen den Häuser hinabgehend trifftman auf die Bundestraße, auf derengegenüberliegender Seite das altehrwürdigeKentheimer Kirchlein steht.Das Kirchlein St. Candidus ist in seinem Ursprung wohldie älteste Besiedlung im Nagoldtal, älter als Calw undwohl auch ein paar Jahre älter als das ältere Kloster St.Aurelius in Hirsau. Es wird vermutet, dass es um 800 n.Chr. vom Bodensee-Kloster Reichenau aus alsEinsiedelei gegründet wurde. Es wurde dann zu einerkleinen romanischen Kirche ausgebaut, von der heutenoch Reste im Baukörper zu finden sind. 1082 kamdiese in den Besitz des Klosters Hirsau, das zu dieserZeit durch den Bau des großen Klosters St. Peter undPaul die geistliche Herrschaft in der Region übernahm.Die Hirsauer sollen daraufhin einen kleinenNonnenkonvent in Kentheim eingerichtet haben. EinenAusbau zu dem heute noch existierenden Gebäudeerfuhr das Kirchlein schließlich im 13. Jahrhundert, alsauf der bis dahin kaum besiedelten Schwarzwaldseitedes Nagoldtals mehr und mehr Siedlungen entstanden,für die Kentheim zur Pfarrkirche bestimmt wurde. Indiesem Zusammenhang entstand auch die künstlerischwertvolle Ausmalung des Kirchenschiffs mit derGeschichte Jesu. Bis ins 15. Jahrhundert hinein warKentheim Pfarr- und Begräbnisort für 14 umliegendeOrte. Erst um 1450, als Zavelstein eine eigene Kirchebekam, verlor Kentheim seine Bedeutung als zentralerPfarrort. Das pittoreske Kirchlein, das heute alsHochzeitskirche beliebt ist, kann tagsüber besichtigtwerden. Neben den wertvollen Fresken im Kirchenschiffhat es auch im Chor schöne Ausmalungen aus dem 15.Jahrhundert, die in der Kuppel Christus alsWeltenrichter umgeben von den Symbolen derEvangelisten zeigen und an den Wänden Darstellungenvon Sankt Georg, Sankt Candidus und der HeiligenBarbara.Um nach Calw zu gelangen, geht man vom Kirchleincirca 100 Meter auf dem Gehsteig entlang derBundesstraße und quert diese hinter derEisenbahnbrücke auf Höhe der alten über der Nagoldliegenden Baumwollspinnerei nach links zu einemWaldweg, der hier bergauf führt. Der Weg führt zu einerkleinen Paßhöhe, auf deren anderer Seite er sich aneiner kleinen Ansiedlung vorbei zur Nagoldhinuntersenkt. Unter der Eisenbahnbrücke hindurch(über die hier die per Tunnel von Kentheimherkommende Bahn nach Calw fährt) geht man nun amFluss entlang den Walkmühleweg in Richtung Stadt.In diesem Bereich ist die Nagold aufgestaut, undwahrscheinlich hatte Hermann Hesse diese Stelle vor Augen, als er im Roman „Unterm Rad“ seine HauptfigurHans Giebenrath ein befreiendes Bad in der Nagoldnehmen lässt, als er von der Landexamensprüfung ausStuttgart zurückkam: „Er ging weit vor die Stadt hinauszur „Waage“, wo das Wasser tief und langsam zwischenhohem Gebüsch dahinfließt. Dort entkleidete er sich,steckte die Hand und darauf den Fuß tastend ins kühleWasser, schauderte ein wenig und warf sich dann inschnellem Sturz in den Fluß. Langsam gegen dieschwache Strömung schwimmend, fühlte er Schweißund Angst dieser letzten Tage von sich gleiten, undwährend seinen schmächtigen Leib der Fluß kühlumarmte, nahm seine Seele mit neuer Lust von derschönen Heimat Besitz.“( Aus: Hermann Hesse: Unterm Rad. Roman. In:Sämtliche Werke, Suhrkamp Verlag 2001, Band 2, S. 154)Am Ende des Walkmühlewegs kommt man zurBadstraße, die zum Hermann-Hesse-Platz in derInnenstadt von Calw führt, wo man auf derNikolausbrücke neben der lebensgroßen StatueHermann Hesses die Wanderung mit einem Fotostimmungsvoll abschließen kann.Der Text und die Wegbeschreibung wurdenentnommen aus dem vergriffenen Buch "Auf HermannHesses Spuren" von Herbert Schnierle Lutz aus demWALZ Wanderferien Verlag, Neckartenzlingen 1999.

Öffentliche Verkehrsmittel

Öffentliche Verkehrsmittel:

 Der Bahnhof Bad Teinach liegt 3 km außerhalb an der Nagoldtalbahn (Kulturbahn) von Pforzheim nach Horb. Auf dieser Bahnstrecke verkehren im Halbstundentakt moderne Triebwagenzüge mit Anschluss an das InterRegio-Netz in Pforzheim und das ICE- und IC-Netz in Karlsruhe. Durch den Linienbusverkehr nach Bad Teinach-Zavelstein und den Taxibetrieb (Tel. 0 70 53 / 9 69 60) ist eine gute Verbindung in alle Ortsteile gewährleistet. Ein Fahrkartenschalter am Bahnhof Bad Teinach besteht nicht. Der nächste Fahrkartenschalter befindet sich am Bahnhof Calw (Reisezentrum Calw, Bischofstraße 10 in 75365 Calw, Telefon 07051 2355, Servicezeiten Montag bis Freitag 08:00 bis 18:00 Uhr). Weitere Infos: www.bahn.de

 

Auf der Homepage der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg finden Sie Bus- und Bahnverbindungen in Verbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr.   http://www.efa-bw.de

Anfahrt

A8 Karlsruhe, AS Pforzheim-West, B294 bis Calmbach und B296 bis Oberreichenbach, dann L346 Zavelstein, Krokusstrasse;

A8 von Stuttgart, AS Leonberg, B295 Richtung Weil der Stadt, Calw, B463 Bahnhof Teinach, dann K4306 / 4307 nach Zavelstein Krokusstrasse

A81 AS Herrenberg, B28 und B296 bis Calw, B463 Bhf. Teinach, dann weiter nach Bad Teinach

Parken

Parkplatz am Freibad Bad Teinach

Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

Buchempfehlungen des Autors

Siehe Buchhinweise bei Beschreibung

Kartenempfehlungen des Autors

Wanderkarte "Unteres Nagoltal", 1:35.000, Wanderparadies Teinachtal 1:25.000, Wanderkarte Schwäbischer Albverein Blatt 11 Pforzheim Calw, 1:35.000_

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Schwierigkeit
mittel
Strecke
17,5 km
Dauer
5:18 h
Aufstieg
470 hm
Abstieg
471 hm
Rundtour aussichtsreich Einkehrmöglichkeit familienfreundlich kulturell / historisch

Statistik

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