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TERRA.trail 11 - Klippen, Kalk und kleine Überraschungen

Radtour · Münsterland
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Natur- und Geopark TERRA.vita Verifizierter Partner  Explorers Choice 
  • Die beschauliche, ehemalige Ackerbürgerstadt hat viele kleine Überraschungen zu bieten.
    / Die beschauliche, ehemalige Ackerbürgerstadt hat viele kleine Überraschungen zu bieten.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Das Nasse Dreieck liegt in einem auffälligen, natürlichen Einschnitt zwischen dem Huckberg und dem Bergeshöveder Berg
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Alte Schleuse in Bergeshövede am Nassen Dreieck.
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Heute geht es an der alten Schleuse am Nassen Dreieck gemächlich zu
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Das Nasse Dreieck ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Binnenschifffahrt
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Das Nasse Dreieck ist ein beliebtes Ziel für Sportboote
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Am Nassen Dreieck befindet sich ein TERRA.vista-Punkt
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Fußgängerbrücke "Bergeshöveder Steg"
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Aus Alt mach Neu: 300 Millionen Jahre alter Sandstein verschönert hier die stählerne Brückenkonstruktion.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Früh übt sich, was ein Geologe werden will!
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Steiniger Untergrund: Die fast senkrecht hochgekippten Schichten reichen bis knapp unter die Grasnarbe.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Mit etwas Fantasie erkennen wir in dieser Felsenformation ein hockendes Weib.
    Foto: Markus Schweiß, CC-BY-SA-3.0, Wandermagazin
  • / Steiler Sand: Dieser Sandstein, bei den Geologen als "Dörenther Klippen" bekannt, wurde vor rund 120 Millionen Jahren, in der unteren Kreidezeit, an der damaligen Küste als loser Sand angespült. An manchen Stellen findet man auch noch sogenannte "Wellenrippeln", wie man sie vom Strand unter flachem Wasser kennt.
    Foto: Sabine Böhme, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Wer diese Felsformation aus der Nähe sehen willm muss sein Fahrrad wohl oder übel an der Gaststätte stehen lassen. In etwa 15 Minuten ist man zu Fuß an der Klippe angelangt und wird bei gutem Wetter mit einer grandiosen Aussicht über das Münsterland belohnt.
    Foto: Sabine Böhme, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Alt und doch modern: 1920 wurde der Ofen gebaut. Betrieben wurde er nur fünd oder sechs Jahre lang und das, obwohl er für damlige Zeiten eine sehr moderne Konstruktion war. Als einer der ersten Rundöfen besitzt er im Inneren einen zylinderförmigen Brennraum, der mit Schamottsteinen ausgekleidet ist. Die Mauern sind an den dünnsten Stellen immer noch zwei Meter dich. Wer genau hinsieht, findet am äußeren, aus Kalkstein gemauerten Ring sogar kleine Fossilreste.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Erstaunliche Geschichte(n) der Brochterbecker Kirche: Die Vorgängerkirchen an dieser Stelle waren vom Hin und Her der Konfessionen geprägt. Zeitweise wurde der Kirchenbau sogar als "Simultankirche" genutzt, d. h. Katholiken und Reformierte nutzten ihn abwechselnd
    Foto: Leon Labuschagne, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Der Hexenpfad der Stadt Tecklenburg führt durch die Hexenküche
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Ein Pfad führt direkt über die Felsenformation der Hexenküche
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Das Beklettern der Felsen macht Spaß, ist aber manchmal ein ziemlich glitschiges Vergnügen.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Der Hextentanzplatz an der Hexenküche
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Der Balkon des Münsterlandes - Aussicht vom Tecklenburger Stadtrand
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Fachwerkhäuser prägen das Stadtbild von Tecklenburg
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Im "Haus des Gastes" in Tecklenburg bekommen Touristen nicht nur Infos zum Natur- und Geopark TERRA.vita
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Torbogen in Tecklenburg - die sogenannte Legge
    Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Regenpause: Bei Südwestwind regnen sich hier oben natürlich auch mal gern die Wolken ab. Der Jahresniederschlag liegt mit 858 Litern/m² im Jahr rund 120 Liter höher als z. B. in Hörstel.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Betreten verboten: Wenn schon ein Loch im Berg, dann wenigstens eins, das anschließend der Natur überlassen wird.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Blick in den Canyon
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Assymetrisch: Der Neubau von 1497 erweiterte die Lengericher Kirche nach Norden und Osten - im Süden lielß der Baugrund keinen Ausbau zu. So bakam der gotische Hallenbau seine unsymmetrische, zweischiffige Form.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Stilmix: der einzige romanische Rundbogen findet sich hier am Südportal, das noch von der Vorgängerkirche aus dem 13. Jahrhundert stammt.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Gigantisch: Es ist schon erstaunlich, wie sich die Technik auf diesem Sektor entwickelt hat. Der Rohstoff ist dabei immer noch der gleiche: 90 Millionen Jahre alter Kalkstein, der sich in der oberen Kreidezeit am Grunde des Meeres bildete.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Kein Schneckenhaus: In diesem Kalkgehäusen lebten kleine Tintenfische, sogenannte Kopffüßler, deren Arme vorn aus der Öffnung herausschauten. Mit etwas Glück kann man solche Ammoniten bei Führungen durch den Dyckerhoff-Steinbruch finden.
    Foto: Cornelia Kleemann, Natur- und Geopark TERRA.vita
  • / Lienen Barfusspfad
    Foto: Projektbüro Hermannshöhen
  • / Barfusspark Lienen
    Foto: Projektbüro Hermannshöhen
m 300 200 100 40 35 30 25 20 15 10 5 km Dyckerhoff-Werk Lengerich Abbruchkante Windmühle Levedag Tecklenburg Kalksteinbruch Hexenküche Nasses Dreieck Lienen - Barfusspark Stahlbrücke

Die letzten Ausläufer des Teutoburger Waldes stehen bei diesem TERRA.trail im Mittelpunkt. Dabei sind die Höhenzüge manchmal selbst die Hauptdarsteller, wie z.B. an den Dörenther Klippen, oft sind sie aber auch nur die Kulisse für das, was die Menschen in dieser faszinierenden Landschaft errichtet haben: Hörstel, Tecklenburg, Lengerich und Lienen sind unsere Haupt-Anlaufpunkte. Dazwischen immer wieder Spuren der früheren und heutigen Nutzung des Materials, aus dem diese Berge bestehen. Das südliche Tecklenburger Land bietet hier eine bunte Mischung aus Natur und Kultur.

Zunächst führt die Route am Südrand des Teuto entlang, wechselt dann im Mittelteil einmal auf die Nordseite und läuft anschließend am Südhang weiter bis zum Endpunkt. Bei der ersten Querung erwartet uns eine recht heftige Steigung, ansonsten ist die Strecke eher als Mittelschwer einzustufen. Echte Langstreckenfahrer können von Endpunkt aus durch das flache Münsterland zurückradeln. Es bietet sich aber an, die Tour in einzelne Etappen zu teilen oder - wenn möglich - vor der Rückfahrt eine Übernachtung einzuschieben.

mittel
43 km
3:16 h
313 hm
271 hm

Mittelschwere Streckentour (keine geschlossene Schleife!) im nördlichen Teutoburger Wald, mit wenigen steilen Anstiegen, meist auf Asphalt. Rückweg durch das Münsterland problemlos zu finden (nicht ausgeschildert), dann entsteht eine lange Tagestour. Hörstel ist mit der Bahn von Osnabrück aus zu erreichen.

 

Los geht`s!

Der Torfmoorsee in Hörstel ist unser Startpunkt. Dieser 24 Hektar große und 20 Meter tiefe, künstlich angelegte See ist nicht nur ein vielgenutzter Badesee. Auch bei Tauchern ist das Gewässer beliebt. Wohl weniger wegen des moorigen Wassers, sondern vielmehr weil es unter Wasser eine steile ”Klippe” aus Sand gibt und auf dem Grund interessante Entdeckungen aus der Vergangenheit zu machen sind.

Als flossenlose Radfahrer soll uns das nicht weiter kümmern. Wer mag, kann sich stattdessen gleich am Anfang dieser Tour ein bisschen mit Steinen beschäftigen: Ein Gesteins-Lehrpfad (1)  informiert hier nicht nur über die lokalen Felstypen, sondern auch über exotischere Materialien wie Marmor, Diabas oder Schaumlava.

Bevor wir uns daran machen, die Kämme des Teutoburger Waldes zu bezwingen, durchqueren wir erst einmal den hübschen Hörsteler Stadteil Bevergern. In Bevergern lohnt sich auch ein Besuch des liebevoll als Museum hergerichteten Heimathauses mit seiner Sammlung zu Kultur und Brauchtum aus alten Zeiten.

Diese beschauliche, ehemalige Ackerbürgerstadt hat viele kleine Überraschungen zu bieten: Wir passieren die pittoreske Windmühle Levedag (2). Die Windmühle Levedag in Bevergern hat für ein Bauwerk dieser Art eine recht ungewöhnliche Geschichte. Nicht belegten Vermutungen nach soll das Bauwerk ursprünglich ein Wehrturm gewesen sein, der Bestandteil der Dorfbefestigung war. Goße Teile dieser Befestigung sprengte man dieser Theorie nach um 1680 und nutzte das Abrissmaterial, um den Turm zu erhöhen. Der Standort hatte nämlich ein Manko, das für eine Windmühle nicht ganz unbedeutend war: Das Ganze steht in einer Senke! Nicht gerade optimal, wenn man Windkraft zum Mahlen von Getreide nutzen will. Anfang dieses Jahrhunderts wurde die Mühle mit großem Aufwand restauriert.

Wir fahren durch eine wunderschöne, schmale Linden-Allee – den sogenannten Nonnenpfad - bis an das Ufer des Dortmund-Ems-Kanals, dem wir bis zu unserer nächsten Station in Richtung Osten folgen.

Nach einigen hundert Metern kommen wir an eine große Wasserfläche, die sich beim Blick auf die Karte als ”Wasserstraßen-Dreieck”  (3) entpuppt.  Der Mittellandkanal trifft hier auf den Dortmund-Ems-Kanal, der in Meppen in die Ems ”mündet” und so das Ruhrgebiet mit der Nordsee verbindet.

Warum gerade hier? Auf der Übersichtskarte sieht man, dass die Kanalbauer gar keine andere Möglichkeit hatten. Schön brav haben sie den Mittellandkanal um die Berge herumgeführt, um ihn dann hier, ganz am Ende des Teutoburger Waldes an den Dortmund-Ems-Kanal anzubinden. Bis zu 100 Schiffe passieren täglich diesen Verkehrsknotenpunkt auf ihrem Weg nach Norden, Süden oder Osten.

Zum Nassen Dreieck gibt es einen TERRA.vista-Hörbeitrag. Klicken Sie HIER.

Wir überqueren den Kanal auf einer Fußgängerbrücke, die hier als „Bergeshöveder Steg“ bekannt ist. Eine weitere Brücke führt uns auch noch über den Mittellandlanal und ermöglicht uns so, das Wasserstraßendreieck auch noch von der anderen Seite zu besichtigen. Wenig später fahren wir unter einer modernen Stahlbrücke (4) hindurch. Die Brückenköpfe sind mit dem sogenannten Ibbenbürener Sandstein verkleidet, einem uralten Gestein, das nur rund 8 Kilometer nördlich von hier in großen Steinbrüchen abgebaut wird.

Nach dieser etwas umständlichen Kanalüberquerung radeln wir nun unmittelbar am Südhang des Gebirgskammes entlang. Hier ist es nur ein einzelner Höhenzug, später wird sich noch ein zweiter dazugesellen. Nach Süden hat man einen schönen Blick auf Riesenbeck, einen weiteren Teil der Stadt Hörstel. Der Ort, der bei Pferdefreunden durch die ”Riesenbecker Reitertage” bekannt geworden ist, beherbergt auch ein schmuckes Landmaschinenmuseum.

Der bereits erwähnte, zweite Höhenrücken kündigt sich schon bald an. Kurz nachdem die Straße zum Schotterweg wird, liegt versteckt in einer leichten Anhöhe wenige Schritte rechts des Weges ein alter Kalksteinbruch (5), der uns einen Einblick in das ”Gebirge” ermöglicht.

Hier bitte nicht zu viel unten auf der Steinbruchsohle herumlaufen! Auf solchen steinigen Flächen wachsen oft besonders seltene Pflanzen.

An der Stirnseite dieses alten Gesteinsabbaues ist schön zu sehen, dass die weißgrauen Kalksteinschichten hier als ziemlich schräge Gesellen unter der Erde liegen. Ihre Kollegen aus der Sandstein-Abteilung haben sich dagegen in Sichtweite zu einem Gebirge entwickelt, das hier immerhin gut 100 Meter höher liegt als das Vorland. Wir werden später noch sehen, dass es durchaus auch den umgekehrten Fall gibt.

Apropos Sandstein: Um zu sehen, dass Gesteine, die aus zusammengebackenen Sandkörnern bestehen, mit der Zeit bisweilen bizarre Formen annehmen können, muss man nicht unbedingt ins Monument Valley oder zum Ayers Rock fahren. Zwar etwas bescheidener, dafür gleich um die Ecke findet man ein steinernes Objekt, dass nicht weniger die Phantasie seiner Besucher bewegt: Die Dörenther Klippen mit dem „Hockenden Weib” (6).

Wer diese Felsformation aus der Nähe sehen will, muss sein Fahrrad wohl oder übel an der Gaststätte (kurz nach Überquerung der B 219) stehen lassen. In etwa 15 Minuten ist man zu Fuß an der Klippe angelangt und wird bei gutem Wetter mit einer grandiosen Aussicht über das Münsterland belohnt.

Die Klippen selbst sind das Resultat von Verwitterungsprozessen. Die dicken Sandsteinschichten, die hier fast genauso schräg stehen wie der weiße Kalkstein von vorhin, ragten ursprünglich noch viel höher hinauf und bildeten zusammen mit dem Kalk die Südflanke eines wesentlich größeren Gebirges. Wo das Gestein der Verwitterung widerstand, blieben Klippen stehen; der Rest wurde nach und nach vom Regen ins Tal gespült.

Mit solch schlichten geologischen Erklärungen gab man sich natürlich früher nicht zufrieden. Die Sage vom ”Hockenden Weib” ist eine wirklich tragische Geschichte und wir werden noch sehen, daß diesmal sogar ein Fünkchen Wahrheit dahinter steckt.

Die Sage vom Hockenden Weib

"In alter Zeit strömten die Fluten des Meeres oft tief ins Land bis an die Berge. In einer Hütte am Fuße der Dörenther Klippen wohnte eine Frau mit ihren Kindern. Als nun die Flut nahte, nahm sie ihre Kinder auf den Arm und trug sie auf den Berg. Mit Entsetzen sah sie, wie das Wasser weiter stieg. Als es bis an ihre Füße reichte, hockte sie sich hin, befahl den Kindern auf ihre Schultern zu steigen und fing an zu beten. Als sie sich aufrichten wollte, war sie zu einem Felsblock geworden, der aus den Fluten ragte und die Kinder trug."

Das Hockende Weib ist im Übrigen nur eine von vielen beeindruckenden Felsformationen hier oben. Die gesamten Dörenther Klippen reichen noch einen guten Kilometer weiter nach Osten.

Zurück auf dem Rad geht es jetzt aber wieder hinab an den Fuß des Teuto und wir radeln auf einem ebenen Schotterweg am Rand des jetzt schon deutlicheren Kalkstein-Rückens entlang, der uns linkerhand begleitet.

Nach anderthalb Kilometern Schotterpiste weist ein Schild nach rechts zu einem Kalkbrennofen (7). Wer Lust hat, kann sich hier ein schön restauriertes Industriedenkmal anschauen.

Das Brennen von Kalk ist eine alte Technik, mit der man aus schnödem Kalkstein entweder mineralischen Dünger oder einen vielseitig nutzbaren Baustoff herstellt. Dabei muss der Kalk über einen längeren Zeitraum gleichmäßig erhitzt werden. Dass es hier reichlich Kalk unter der Erde gibt, haben wir ja gerade gesehen. Der wurde mit Loren von den Steinbrüchen hierher transportiert.  Den Ofen haben wir direkt vor uns. Und was braucht man noch? Richtig. Kohle zum anfeuern. Die schaffte man auf der weiter unten liegenden Bahnstrecke aus dem Ruhrgebiet herbei. Warum man nicht die viel näher liegende Kohle aus Ibbenbüren nutzte, ist nicht ganz geklärt.

Wer mehr über den Kalkofen wissen möchte, der kann sich an den Heimatverein Brochterbeck wenden. Auf Wunsch werden hier Führungen angeboten (Infos u. Anm.: bei Frau Waltraud Pott 05455/378).

Wenig später erreichen wir Brochterbeck, ein hübsches Dorf, das 1150 erstmals urkundlich erwähnt wird. Wir fahren direkt auf die katholische Stadtkirche St. Peter und Paul  (8)  zu – ein vergleichsweise junges Gebäude: 1856 wurde der Grundstein gelegt, Heiligabend 1860 zog die Gemeinde in ihr neues Gotteshaus ein.  Der graue bis hellbraune Sandstein, aus dem das Gemäuer errichtet ist, stammt vermutlich aus dem nahegelegenen Bocketal, einem Einschnitt in den Nordkamm des Teutoburger Waldes.

Kurz nach der nächsten Abbiegung im Ort kommen wir an einer Abbruchkante vorbei, die keinen Zweifel daran lässt, dass sich Brochterbeck genau auf dem Südkamm des Teuto befindet: Hier sind wieder die gleichen schräggestellten Kalksteinschichten zu sehen wie einige Stationen zuvor. Direkt in diese Felswand wurde im zweiten Weltkrieg ein Stollen getrieben, der als Bunker (9) diente. In Friedenszeiten wird er nun von Fledermäusen bewohnt, die hier gute Schlaf- und Überwinterungsmöglichkeiten finden. Gleich um die Ecke wird noch einmal auf klassische Weise an den Krieg erinnert: Ein großes Denkmal weist auf die Gefallenen aus Brochterbeck hin. Wir verlassen Brochterbeck und fahren auf dem Wallenweg weiter in Richtung Osten. Insgesamt dreimal überqueren wir eine Bahntrasse bevor es recht steil hinauf nach Tecklenburg geht.

Wer jetzt Lust auf eine Pause verspürt, hat die Wahl: Links unterhalb der Straße weist ein Schild zur Hexenküche (10). Hier wird zwar heute nicht mehr gekocht, aber wer sein Essen dabei hat, findet hier einen äußerst ungewöhnlichen Rastplatz vor.

"Um Mitternacht trafen sich an diesem Ort früher die Hexen, um zu feiern und um Zaubertränke und -Salben zu brauen. Der Teufel war immer mit von der Partie und man tat gut daran, die Zauberparty nicht zu stören – sonst drohte einem ein schneller Tod. Seine Neugier soll einem Tecklenburger Grafen hier denn auch beinahe zum Verhängnis geworden sein. Er wollte der Sache unbedingt auf den Grund gehen. Seine Begegnung mit dem Teufel war dann aber alles andere als bezaubernd: Nur das beherzte Eingreifen der mit einem Kruzifix bewaffneten Gräfin konnte damals Schlimmeres verhindern."

Zur Hexenküche gibt es einen TERRA.vista-Hörbeitrag. Klicken Sie HIER.

Zurück auf dem Boden der Tatsachen erklärt sich dieses mystische Koch- und Kosmetikstudio als das weniger bekannte Pendant zum Hockenden Weib: Eine Klippe aus schräggestellten Dörenther Sandsteinschichten, der die Verwitterung (und vermutlich auch Menschen) mächtig zugesetzt haben.

Wer höhere Ansprüche an seine Mahlzeit stellt und vielleicht noch ein Mitbringsel sucht,  der folgt dem Trail direkt ins Herz von Tecklenburg (11). Dieser anerkannte Kneipp- und Luftkurort bietet eine besonders gemütliche Atmosphäre und hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel gemausert. Der Tourismus ist hier das wichtigste wirtschaftliche Standbein. Die eigentliche (Tecklen-)Burg, die bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts bestand, wurde in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einem offenen Schloss umgebaut. Dessen Überreste dienen heute als Kulisse für die ”Tecklenburger Freilichtspiele”, das größte deutsche Freilicht-Musiktheater. (Spielplan unter www.freilichtspiele-tecklenburg.de)

Zur Altstadt von Tecklenburg gibt es einen TERRA.vista-Hörbeitrag. Klicken Sie HIER.

Die Weiterfahrt führt uns in eine Senke zwischen den beiden Kämmen des Teutoburger Waldes. Der Boden hier besteht aus Löss. So nennt man die staubigen Sedimente, die der Wind während der letzten Eiszeit von Nordwesten her hier anwehte. Heute haben sich daraus besonders fruchtbare Böden entwickelt.

Es folgt ein etwas mühsamer Anstieg  auf den Teuto-Südkamm hinauf. Spätestens jetzt müssen wir erkennen, dass die flache Erhebung vom Anfang der Tour hier schon zu einem echten Bergrücken aus Kalkstein geworden ist. Kurz bevor wir die Kuppe des ”Kleeberges” erreichen, führt am Waldrand ein Weg nach rechts.

Wer hier einbiegt, findet etwa fünfzig Meter weiter im Dickicht eine kleine Aussichtsplattform (12), die einen überraschenden Einblick in das Gebirge bietet: Ein gewaltiger, langgestreckter Kalksteinbruch, gefüllt mit kristallblauem Wasser, liegt tief unter uns. Hier wurden gewaltige Mengen Gestein abgebaut. Heute steht das ganze Gebiet unter Naturschutz.

Warum sind kalkhaltige Seen so blau?

Verschiedenfarbiges Licht wird von Wasser unterschiedlich stark absorbiert, also ”geschluckt”. Blaues Licht absorbiert das Wasser am wenigsten, es wird zurückgeworfen, reflektiert. Nun schwimmen in solchen Kalk-Seen Unmengen winziger Kristalle aus Calzit herum. Die sind eigentlich durchsichtig. Sie spiegeln aber das vom Wasser blau ”gefärbte” Licht millionenfach wieder, so dass das Wasser besonders bei Sonnenschein fast blau zu leuchten scheint. 

Zum Canyon in Lengerich gibt es einen TERRA.vista-Hörbeitrag. Klicken Sie HIER.

Eine steile Straße durch den Wald führt uns bald wieder nach Süden vom Kamm herunter und wir nähern uns Lengerich. Mit der Gewissheit, jetzt keine längeren Steigungen mehr bezwingen zu müssen, fahren wir direkt ins Zentrum der 23.000 Einwohner zählenden Stadt hinein. Nur 20 m rechts der Route (und eigentlich nicht zu übersehen) steht die evangelische Stadtkirche (13). Dieses mächtige Bauwerk stammt aus dem Jahre 1497, gründet sich aber auf einer älteren Kirche (800 n.Chr.), die damals als ”Urkirche” des ganzen nordwestfälischen Raumes galt.

Aus dem 12. und 13. Jahrhundert sind ebenfalls Vorbauwerke dokumentiert. Das Baumaterial stammt auch hier aus dem Sandstein-Kamm des Teutoburger Waldes. Da, wo die Verwitterung dem Gestein besonders heftig zugesetzt hat, tauschte man einige Steine gegen den älteren und festeren Ibbenbürener Karbon-Sandstein aus. Nach gut anderthalb Kilometern kommen wir an eine Bahnlinie, der wir dann weitere anderthalb folgen, bevor wir sie auf einer Fußgängerbrücke (bitte schieben!) überqueren.

Kurz vor Brochterbeck haben wir ja gesehen, wie ein Kalkbrennofen aussieht. Von der Brücke aus sehen wir jetzt noch einen Kalkbrennofen, diesmal aber einen, der keine 80 Jahre alt ist und der auch nicht auf dem Hof neben der Scheune Platz hat. Was hier in grün-weiß wie ein ganzes Industriegebiet vor uns steht, ist das Dyckerhoff-Werk Lengerich (14).

Die Zentrale der Dyckerhoff-AG sitzt in Wiesbaden, das Zementwerk Lengerich ist nur eines von insgesamt sieben allein in Deutschland. Gegründet 1872, hat sich das Werk heute zum modernsten seiner Art entwickelt. Die Brennöfen sind heute immer noch zylinderförmig, nur dass sie jetzt horizontal liegen, mit Kohlenstaub und Sekundärbrennstoffen befeuert werden und sich während des Brennvorgangs drehen. Spezialität des Werkes sind Zemente für den Ausbau von Gas- und Ölbohrungen. Insgesamt verlassen u.a. jedes Jahr 1,2 – 1,5 Millionen Tonnen Zement das Werk. Im Gegenzug muss natürlich mindestens die gleiche Menge als Rohstoff irgendwo abgebaut werden. In diesem Fall geschieht das quasi direkt ”hinter dem Haus” und wer genau hinsieht, kann hinter dem Werk den riesigen Steinbruch erahnen. Jetzt sehen wir auch, dass sich der Kalkstein-Kamm hier zum prägenden Element des Gebirges entwickelt hat. Aber woher stammen diese Unmengen an Kalkstein eigentlich?

Kalkstein wird in den allermeisten Fällen als Hinweis auf ein ehemaliges Meer gedeutet. Auch in diesem Fall ist das so. In der oberen Kreidezeit war ganz Norddeutschland vom Meer bedeckt. Ein Meer, in dem zahllose Tiere lebten, darunter auch unzählige kalkschalige Einzeller. Deren Schalen sammelten sich am Meeresgrund und wurden später zu dem Gestein, das an dieser Stelle abgebaut wird. Hier schließt sich gewissermaßen auch der Kreis zu der Sage vom Hockenden Weib. Zwar hat sicherlich kein Mensch diese Zeiten mit erlebt, aber dass es hier zu Meeresüberflutungen kam, ist alles andere als eine Sage. Das die Gesteinsschichten hier so schräg stehen liegt daran, dass das Gebiet nördlich des Teuto und das südlich gelegene Münsterland am Ende der Kreidezeit gegeneinander geschoben wurden. Alles eine Fernwirkung der Alpen-Entstehung, die zur gleichen Zeit ablief.

Wer mal wieder ein Ziel für einen Spaziergang sucht, der kann den Bruch von hier aus auch auf einem 7 km langen Rundweg zu Fuß umrunden. Das Dyckerhoff-Werk bietet mehrmals im Jahr Führungen durch den sonst nicht zugänglichen Steinbruch an. Nähere Auskünfte erteilt Herr Dr. Rossmanith unter 05481/31-205.

Etwa 2 Kilometer weiter verlassen wir Lengerich auf dem Weg zu unserem letzten Anlaufpunkt: Dem Ort Lienen. Wir könnten jetzt natürlich auch einfach der Landstraße folgen, die Route wird aber erst einmal etwas weiter oben am Hang entlanggeführt, weil man von hier eine bessere Aussicht hat und der Autolärm nicht so nervt. An einer Stelle ist besondere Vorsicht geboten: Wo wir eine etwas höhergelegene Straße überqueren, muss mit regem LKW-Verkehr gerechnet werden.

Der Ortsname Lienen stammt vom ursprünglichen Namen „Lina“ ab, was soviel wie „Ort am Abhang des Berges“ bedeuten soll. Lienen ist für seinen hübschen Ortskern bekannt, mit liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern und einem richtigen Dorfteich. Hier findet man auch den Startpunkt einer Einrichtung, die im Naturpark einmalig ist: Einen „Barfuß-Park“ (15).

Auf wahlweise 2,5 oder 1 Kilometer Länge erwarten verschiedenste Untergründe unsere Fußsohlen: Vom Bachbett über Rinde und Splitt bis hin zu Holz, Lehm und Gras bietet dieser Pfad alle möglichen und unmöglichen Reize für die Fußsohlen. Außerdem findet man im Start/Ziel -Bereich einen wunderschönen Matsch-Spielplatz für den Nachwuchs und ein Wassertretbecken, um die müden Waden wieder in Schwung zu bringen.

Wer sich jetzt nach einem Bett sehnt und die Rückfahrt auf den nächsten Tag verschieben will, der hat hoffentlich eine Unterkunft gebucht: Infos unter www.lienen.de

 

Wenn Ihnen die Tour gefallen hat, probieren Sie doch mal die anderen TERRA.trails. Oder stöbern Sie einfach auf unserer Website. Haben Sie weitergehende Fragen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten? Auch dann helfen wir Ihnen natürlich gerne weiter.

Profilbild von Leon Labuschagne
Autor
Leon Labuschagne
Aktualisierung: 05.04.2019
Schwierigkeit
mittel
Technik
Kondition
Erlebnis
Landschaft
Höchster Punkt
176 m
Tiefster Punkt
40 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Einkehrmöglichkeit

Almhütte mit Aussichtsplattform

Sicherheitshinweise

Bitte achten Sie auf Wanderer und andere Verkehrsteilnehmer.

Weitere Infos und Links

Natur- und Geopark TERRA.vita

Am Schölerberg 1

49082 Osnabrück

Telefon: 0541/501 4217

Telefax:0541/501 4424

Email: info@geopark-terravita.de

info@geopark-terravita.de

Internet: www.geopark-terravita.de

 

Start

Torfmoorsee Hörstel, Am Torfmoorsee, 48477 Hörstel (40 m)
Koordinaten:
DG
52.283134, 7.571563
GMS
52°16'59.3"N 7°34'17.6"E
UTM
32U 402559 5793490
w3w 
///datierst.halbzeit.fohlen

Ziel

Barfuß-Park Lienen, Diekesdamm 1, 49536 Lienen

Hinweis


alle Hinweise zu Schutzgebieten

Koordinaten

DG
52.283134, 7.571563
GMS
52°16'59.3"N 7°34'17.6"E
UTM
32U 402559 5793490
w3w 
///datierst.halbzeit.fohlen
Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

Ausrüstung

Helm, verkehrssicheres Rad, Fahrradkarte und/oder GPS Navigator ...

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Schwierigkeit
mittel
Strecke
43 km
Dauer
3:16h
Aufstieg
313 hm
Abstieg
271 hm
aussichtsreich Einkehrmöglichkeit kulturell / historisch geologische Highlights botanische Highlights

Statistik

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